Krebsvorsorge und -früherkennung

Krebserkrankungen belegen in Deutschland in der Statistik der Todesursachen den 2. Platz nach Herz-/Kreislauferkrankungen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO betreibt eine Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) ; diese kam zu dem Schluss, dass knapp 40% aller Krebsneuerkrankungen verhindert werden könnten, bei Männern (45,4%) noch häufiger als bei Frauen (29,7%).
Auf Deutschland bezogen geht man von 37% Krebsneuerkrankungen aus, die verhindert werden könnten.

In den letzten 5 Jahren haben in Deutschland 1,7 Millionen Menschen eine Krebs-Diagnose bekommen ; im Laufe des Lebens erkranken 43% aller Frauen und 49% aller Männer in Deutschland an einer Krebserkrankung.

Die häufigsten Krebsarten sind bei den Frauen Brustkrebs (Mamma-Ca) mit 31,1%, dann Darmkrebs mit 10,4% und Lungenkrebs mit 10,3%. Bei Männern ist die häufigste Krebsart das Prostata-Carcinom mit 28,9%, gefolgt vom Lungenkrebs mit 12,1% und dem Darmkrebs mit 10,9%.

Die Prognose vieler Krebserkrankungen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, so dass die Krebssterberate bei Männern um 31% und bei Frauen um 21% in den letzten 24 Jahren zurückging.

Früher gab es 3 Eckpfeiler der Krebstherapie : Operation, Chemotherapie und Bestrahlungstherapie.

In den letzten Jahren sind neue Therapieformen hinzugekommen, die oftmals zielgerichteter und besser verträglich sind. Zu nennen sind neben Hormontherapien insbesondere verschiedene Arten von Immuntherapien : Antikörper können z.B. Krebszellen angreifen und bei einer CAR-T-Zell-Therapie werden körpereigene Abwehrzellen in einem Speziallabor mit Rezeptoren versehen, die nach Rückgabe der Zellen in den Körper (mittels Infusion) Tumorzellen aufsuchen und zerstören.

Krebsvorsorge gibt es bei verschiedenen Tumorarten ; hierbei versucht man, auffällige Zellen früh zu erkennen, um einen Übergang in ein Krebswachstum zu verhindern. Beispiele dafür sind Darmkrebs, Gebärmutterhals-Krebs und Hautkrebs.

Krebsfrüherkennung zielt darauf ab, Krebserkrankungen möglichst früh mit verbesserter Heilungschance zu erkennen ; entsprechende Programme gibt es beim Brustkrebs, Prostata-Krebs und seit 04/2026 auch beim Lungen-Krebs ; insofern gibt es für die 3 häufigsten Krebsarten bei Mann und Frau sinnvolle Vorsorge- bzw. Früherkennungsprogramme.

Die Ursachen von Krebserkrankungen sind vielfältig : genetische Faktoren, Infektionen ( das HPV-Virus kann Gebärmutterhals-Krebs auslösen, das Hepatitis-B-Virus kann Leber-Krebs verursachen), Tabakrauch und andere Gefahrstoffe sowie eine ungesunde Lebensweise ( Übergewicht, ungesunde Ernährung, Alkohol…)

Es gibt einen europäischen Kodex gegen Krebs, der 14 Möglichkeiten zur Prävention auflistet. Hierauf bauen die 10 Tipps der Deutschen Krebshilfe auf ( www.krebshilfe.de/informieren/über krebs /krebs vorbeugen ), die im Folgenden erläutert werden :

1) Viel bewegen ( Soll : mindestens 30 Minuten / Tag)

  • Die Häufigkeit von Krebs an Dickdarm, Brustdrüse, Gebärmutter, Blase und vermutlich noch weiteren Lokalisationen nimmt hierunter ab.
  • Literatur-Tipp hierzu : Petra Thaller/Thorsten Schulz „Outdoor against Cancer“ Petra Thaller ist Journalistin, war selbst von einer Krebsdiagnose betroffen und hat in diesem Buch zusammengetragen, was in Studien über den Zusammenhang von Sport und Krebs entdeckt wurde ; Untertitel : schnellere Genesung, mehr Lebensqualität, bessere Prognose

2) Übergewicht reduzieren

  • Maß für Übergewicht ist der Body Mass Index :
    Körpergewicht (kg) : Körpergröße (m)²
    Soll : 18,5 -24,9
  • Ernährungsberatung und Sport können helfen, Übergewicht zu reduzieren
  • Mehrere Krebsarten sind mit Übergewicht assoziiert : Darm, Niere, Speiseröhre, Pancreas, Gallenblase, Brustdrüse, Gebärmutter, Eierstöcke

3) Gesund ernähren

  • Positiv wirken sich Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst aus
  • Kaffee scheint das Risiko für Leber- und Gebärmutterkrebs zu verringern
  • Negativ sind Zucker, Fett, rotes Fleisch und verarbeitete Fleischwaren sowie Gepökeltes ; Salz kann bei erhöhter Zufuhr das Risiko für Magenkrebs erhöhen (Vorsicht bei Knabbereien und Fertiggerichten !)
  • Schimmel ist zu vermeiden (Ausnahme : zum Verzehr produzierter Schimmelkäse)
  • Angekohlte Lebensmittel sowie rauchende Fette (Grill !) sind zu vermeiden

4) Alkohol reduzieren

  • Alkohol steigert das Risiko für folgende Krebsarten : Mund- und Rachenkrebs, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Leberkrebs, Darmkrebs, Brustkrebs

5) Rauchfrei leben, auch Passivrauchen vermeiden

  • Tabakrauch enthält ca. 90 krebserzeugende Substanzen
  • 90% aller Lungenkrebsfälle sind durch Rauchen bedingt
  • Auch höheres Risiko für Mund-, Rachen-, Kehlkopf- sowie Brustdrüsen- und Gebärmutterhals-Krebs
  • Auch E-Zigaretten enthalten in der Regel Nikotin und krebserzeugende Stoffe
  • Hilfe : www.rauchfrei-info.de

Quelle : www.biög.de

6) Schutz vor UV-Strahlung

  • UV-Strahlung erhöht das Risiko verschiedener Hautkrebs-Arten
  • Bei starker Sonneneinstrahlung im Schatten aufhalten, passende Kleidung tragen, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden, Solarien meiden

7) Krebserzeugende Stoffe meiden

  • Arbeitsplatz : technische und organisatorische Schutzmaßnahmen nutzen, ebenso persönliche Schutzausrüstung
  • Radon-Belastung verringern : Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, das sich in Kellerräumen anreichern kann ; daher Kellerräume gut lüften ; kein Daueraufenthalt in Kellerräumen
  • Belastung ist regional sehr unterschiedlich , nähere Auskunft möglich über das Bundesamt für Strahlenschutz (Deutschlandkarte im Internet einsehbar)

8) Hormone

  • Langes Stillen sowie ein Verzicht auf Hormonersatztherapie senken das Risiko für Brustkrebs

9) Bestimmte Impfungen können hilfreich sein

  • HPV-Impfung für Mädchen, seit einiger Zeit auch von der STIKO für Jungen empfohlen ; schützt vor Gebärmutterhalskrebs, ggf. auch vor Krebs an Penis, Mund- und Analbereich
  • Hepatitis B-Impfung schützt vor Hepatitis B und dem ggf. dadurch bedingten Leberkrebs

10) Früherkennung nutzen

  • Angebote der Krankenkassen, bestimmten Krebsarten vorzubeugen (Darm, Gebärmutter, Haut) bzw. diese früh zu erkennen (dadurch bessere Prognose ): Brust, Prostata und seit 04/2026 auch Lungenkrebs

Hier folgt ein Überblick über die zur Zeit empfohlenen Vorsorge- und Früherkennungs-Programme :

Darmkrebsvorsorge

  • Darmspiegelung (Coloskopie) 2x ab 50 Jahre
  • Ein Darmkrebs entsteht aus einem Polypen, dies dauert in der Regel mindestens 10 Jahre
  • Stuhltest auf verstecktes Blut (ab 50 Jahre jährlich, ab 55 Jahre alle 2 Jahre)
  • Darmkrebs kann somit zu einem sehr hohen Prozentsatz verhindert werden

Brustkrebs-Früherkennung

  • Mammographie-Screening ab dem 50.-75. Lebensjahr alle 2 Jahre
  • Abtasten der Brüste und Achselhöhlen beim Gynäkologen 1x jährlich ab dem 30. Lebensjahr
  • Auch Ultraschall der Brust (Selbstzahler) kann hilfreich sein
  • Weiteres Screening-Verfahren : TBU = taktile Brustuntersuchung durch sehbehinderte Untersucherinnen mit sehr gutem Tastsinn
  • ATS = Anleitung zur taktilen Selbstuntersuchung
  • Beide Untersuchungen werden angeboten durch die Organisation „Discovering Hands“ www.discovering-hands.de

Prostata-Krebs-Früherkennung

  • Männer ab 45 Jahren Abtasten der Prostata durch Hausarzt oder Urologen
  • PSA-Wert-Bestimmung (Selbstzahler), nicht unumstritten, da relativ unspezifisch ; wichtig ist, die Entwicklung der PSA-Werte im Blick zu haben ; auf einen entdeckten behandlungsbedürftigen Tumor kommen mehrere Fälle, die u.U. nur sehr langsam wachsen würden und evtl. übertherapiert werden ; neben Abtasten ist auch Ultraschall sinnvoll

Hautkrebsvorsorge

  • Ab 35 Jahre alle 2 Jahre Ganzkörper-Screening beim Hautarzt ( wird teilweise auch von Hausärzten angeboten )

Gebärmutterhals-Krebs-Vorsorge

  • Frauen ab 20 Jahre jährliche Untersuchung beim Gynäkologen incl. Abstrich auf Zellen (PAP-Abstrich)
  • Ab 35 Jahre HPV-Test (humanes Papilloma-Virus) und PAP-Abstrich alle 3 Jahre

Bronchial-Carcinom (Lungenkrebs)-Früherkennung

  • Frauen ab 20 Jahre jährliche Untersuchung beim Gynäkologen incl. Abstrich auf Zellen (PAP-Abstrich)
  • Ab 35 Jahre HPV-Test (humanes Papilloma-Virus) und PAP-Abstrich alle 3 Jahre

Zahlreiche hilfreiche Ratgeber zu den unterschiedlichsten Themen können Sie kostenlos über die Deutsche Krebshilfe erhalten ; eine erste Übersicht erhält man durch einen Flyer zum Thema „Präventionsratgeber“ (s.o.)

Wer das Thema dieser Rundmail vertiefen möchte, kann die Broschüre „Krebs vorbeugen : Was kann ich tun ?“ (s.o.) bestellen.

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