Schutzhandschuhe mit Schnittschutz

Text teilweise übernommen von: Arbeitshandschuhe.pro; BG ETEM ( https://arbeitshandschuhe.pro/de/blog/schnittschutzklassen_handschuhe.html; Fest im Griff — etem – Das Magazin Ihrer Berufsgenossenschaft )

Die Sicherheit der Hände ist für jeden wichtig, ob Sie nun bei Bauarbeiter, Mechaniker, Gärtner oder Hausmann vorkommen. Die Gefahr von Handverletzungen ist allgegenwärtig: Messer, Sägen, Meißel, Hochdruckdüsen und sogar Blätter aus Papier und Pappe.

Bei den meldepflichtigen Arbeitsunfällen handelt es sich bei ca. 30% um Verletzungen der Hände. Nach Angaben der Institute für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz könnten bis zu 60-70 % der Handverletzungen vermieden werden, wenn die Arbeitnehmer geeignete Schutzhandschuhe verwenden würden.

Die meisten Schnittverletzungen gehen zum Glück glimpflich aus. Trotzdem sollten auch „Bagatell-Verletzungen“ ernst genommen werden, weil sie dazu neigen, sich zu entzünden. Wer zu spät einen Arzt aufsucht, riskiert langwierige und schmerzhafte Nachbehandlungen.

Umso wichtiger ist es, die Hände vor Verletzungen zu schützen. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) steigt die Sicherheit am Arbeitsplatz um 45 %, wenn PSA korrekt eingesetzt wird.

Handschuhe, die die Norm DIN EN 388 erfüllen, werden auch als Schutzhandschuhe der Kategorie II eingestuft.

Diese Kategorie umfasst Handschuhe, die vor mittleren Risiken schützen:

  • Schutz vor Chemikalien,
  • vor mechanischen Beschädigungen (DIN EN 388),
  • Antivibrationshandschuhe und
  • Handschuhe, die vor Kälte und Hitze (bis zu 100 Grad Celsius) schützen.

Die Norm EN 388:2016+A1:2018 ermöglicht es, den richtigen Handschuh auszuwählen. Sie gibt an, inwieweit der Handschuh vor Schnitt- und Stichverletzungen schützt und wie hoch die Abrieb- und Reißfestigkeit des Schutzhandschuhs ist.

Handschuhmarkierungen / Kennzeichnungen entsprechend der DIN EN 388

Jeder Handschuh, der der Norm EN 388 entspricht, sollte mit einem Piktogramm gekennzeichnet sein, das seine Leistung angibt. Das Hammer Piktogramm enthält neben dem grafischen Symbol auch Buchstaben und Zahlen.

Folgende Informationen sind der entsprechenden Kennzeichnung zu entnehmen:

1. Schnittschutzklassen Handschuhe – Schnittfestigkeit
Die Norm EN388 hat zwei Schnittfestigkeitswerte:

  • Coupe-Test (mit Dokumentation der Schnittschutzklasse 1-5; je höher der Schnittschutz ist, desto höher ist die Zahl) und
  • ISO 13997 (mit Dokumentation der Widerstandsskala des Schutzhandschuhen aufsteigend von „A“ bis „F“ angegeben).

Zusätzliche Prüfung und Kennzeichnung der Schnittfestigkeit nach ANSI/ISEA 105:
Die Normen EN 388 und ANSI/ISEA 105 definieren beide den Grad der Schnittfestigkeit von Handschuhen, basieren jedoch auf leicht unterschiedlichen Prüfmethoden und haben unterschiedliche Skalenbereiche. Viele Arbeitshandschuhmodelle tragen die Kennzeichnungen beider Normen gleichzeitig.

ANSI/ISEA 105
Die amerikanische Norm ANSI/ISEA 105 unterscheidet sich im Bereich
der Klassifizierung:

  • Die Schutzskala reicht von A1 bis A9 (wobei A1 das niedrigste und A9 das höchste Schutzniveau darstellt) und bietet damit eine größere Präzision und Spannweite – insbesondere für Materialien mit sehr hoher Schnittfestigkeit.
  • ANSI bietet eine größere Skala und wird daher eher in Sektoren verwendet, die ein Höchstmaß an Präzision und Sicherheit erfordern (z. B. Luft- und Raumfahrt, Stahl- oder Glasverarbeitung).

Wichtig ist, dass viele Arbeitshandschuhmodelle jetzt die Kennzeichnungen beider Normen gleichzeitig tragen, z. B. C / A3, was ein besseres Verständnis des Schutzniveaus je nach dem bevorzugten Klassifizierungssystem ermöglicht. Der Unterschied liegt vor allem in der Art der Darstellung der Ergebnisse:

EN 388 (TDM-100): Skala A-F (Newton-Schwelle von 2 bis >30)
ANSI/ISEA 105: Skala A1-A9 (200g bis 6000g Schnittkraft oder ≈2N bis 60 N)

Grad der Schnittfestigkeit und Art der ausgeführten Arbeit?

Die Tabelle soll helfen, die richtige Auswahl des entsprechenden ANSI-Schutzes für die Tätigkeit zu treffen:

2. Abriebfestigkeit
Die Messung der Abriebfestigkeit wird zwischen 0 und 4 angegeben, wobei 0 die geringste und 4 die höchste Widerstandsfähigkeit angibt.

3. Reißfestigkeit
Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken werden einer Handschuh-Reißfestigkeitsprüfung unterzogen. Die Skala reicht von 0 bis 4.

4. Durchstichfestigkeit
Geprüft wird die Kraft in Newton, die zum Durchstechen des Materials erforderlich ist. Das Ergebnis ist dasjenige, bei dem das geprüfte Material der geringsten Belastung standhält und wird in einer Skala von 0 bis 4 dokumentiert.

5. Stoßfestigkeit
Es verwendet die Norm EN 13594 für die Prüfung der Schlagfestigkeit. Geprüft werden Schutzhandschuhe mit zusätzlichem Material zum Schutz der Fingerknöchel. Besteht der Handschuh den Test, wird er mit einem ‚P‘ – Prüfung – gekennzeichnet. Wenn es den Test nicht besteht, erhält es ein X oder gar keine Bewertung.

Seitdem die Norm für Schutzhandschuhe gegen mechanische Gefährdungen um das Kriterium „Schutz vor Stößen“ erweitert wurde, bieten Hersteller vermehrt Handschuhe mit Protektoren auf dem Handrücken, den Knöcheln und auf den Fingern an, die einen sehr guten Schutz bieten. Dabei sind sie nicht unbequemer zu tragen als Handschuhe ohne Protektoren.

Verwendung (teilweise) neuer Materialien:

Bei der Auswahl von Handschuhen sollte neben der Gefahr von Schnittverletzungen auch die Notwendigkeit von Fingerfertigkeit berücksichtigt werden. Hoher Schutz muss nicht bedeuten, dass man auf Komfort verzichten muss – viele moderne Modelle kombinieren feine Strickwaren mit hochresistenten technischen Garnen.
Je nach Art der auszuführenden Arbeiten und dem Grad der Gefährdung verwenden die Hersteller verschiedene Materialien, die Eigenschaften wie Schnittfestigkeit, Flexibilität, Komfort oder chemische und thermische Beständigkeit miteinander kombinieren. Jedes Material hat seine Stärken, aber auch seine Grenzen. Im Folgenden sind die am häufigsten verwendeten Rohstoffe für die Herstellung von Schnittschutzhandschuhen aufgeführt:

  • Nylon/ Polyamid: Leicht, fusselarm, schnelltrocknend, mit hoher Abriebfestigkeit
  • Lycra/ Spandex: Sehr dehnbar mit hohem Tragekomfort
  • Acryl: Polymer, das unempfindlich gegen Wasser und handelsübliche Lösungsmittel in niedrig konzentrierter Säure und Basen ist
  • Kevlar (Para-Amid): Kevlar ist eine fortschrittliche synthetische Faser mit hoher mechanischer Festigkeit; leicht, geschmeidig, waschbar; bietet guten Schnittschutz und Schutz vor konvektiver Wärme .
    Vorteile: Kevlar ist etwa 5,5-mal leichter als Stahl und bis zu 10-mal zugfester. Es weist eine sehr hohe Schnitt-, Abrieb- und Durchstoßfestigkeit auf. Es schmilzt und brennt nicht bei bis zu 426 °C. Es ist nichtleitend, was es in elektrostatischen Umgebungen nützlich macht.
    Nachteile: Weniger beständig gegen UV-Strahlung und einige Chemikalien. Kann sich bei Kontakt mit Feuchtigkeit versteifen. Verwendung z.B. von Feuerwehr, Schwerindustrie, Stromerzeugung, Metallverarbeitung, Automobilindustrie, Personenschutz.
  • HPPE (Hochleistungs-Polyethylen): Polyethylen-Faser mit hoher mechanischer Festigkeit, die häufig als Basis für Hybridgarne verwendet wird. Kann mit anderen Materialien kombiniert werden, z. B. mit Glasfasern oder Elasthan. Flexibles, leichtes und haltbares Hochleistungspolyethylen; deutlich abriebfester als Para-Aramid; beständig gegen Chemikalien wie z.B. Lösemittel
    Vorteile: leicht, flexibel, guter Schnittschutz, angenehm zu tragen, gute Atmungsaktivität. Ideal für langes Tragen.
    Nachteile: Begrenzte Beständigkeit gegen Hitze und einige Chemikalien. Kann sich bei hohen Temperaturen zersetzen.
    Einsatzbereiche: z.B. bei Montage, Leichtindustrie, Fertigung, Logistik, Lagerarbeit.
  • Dyneema (HPPE/ UHMWPE): Hierbei handelt es sich um UHMWPE-Fasern (Polyethylen mit ultrahohem Molekulargewicht), die als eine der stärksten Fasern der Welt anerkannt sind. Sie zeichnet sich durch extreme Zugfestigkeit bei sehr geringem Gewicht aus.
    Vorteile: Dyneema ist bei gleichem Gewicht bis zu 15-mal stärker als Stahl, wobei sich dies auf die relative Stärke bezieht. Es ist sehr leicht, flexibel, atmungsaktiv, chemikalien-, abrieb- und UV-beständig. Es bietet außergewöhnlichen Komfort, insbesondere bei längerem Tragen.
    Nachteile: Geringe Hitzebeständigkeit – Materialabbau tritt bereits bei Temperaturen von 144-152 °C auf. Kann im Vergleich zu Aramidfasern auch weniger resistent gegen starke Reibung sein.
    Anwendungen: z.B. in Automobilindustrie, Logistik, Fertigung, Leichtindustrie, Montage von scharfen und metallischen Teilen.
  • Glasfaser: Anorganische Verstärkung in Form von dünnen Fasern mit sehr hoher Festigkeit. Wird normalerweise in Kombination mit anderen Materialien als Garn-Kern verwendet.
    Vorteile: Außergewöhnliche Schnitt- und Abriebfestigkeit. Erhöht die Festigkeit des Endmaterials beträchtlich.
    Nachteile: Kann rau sein und zu Irritationen führen, wenn es nicht ordnungsgemäß von anderen Fasern umgeben ist. Sprödigkeit bei extremer Biegung.
    Anwendungen: z.B. in Metallindustrie, Verarbeitung, Herstellung von Werkzeugen und Teilen mit scharfen Kanten.
  • Rostfreier Stahl: Wird in Form von dünnen Stahldrähten oder Metallringen (Gittern) verwendet. Material mit hoher mechanischer Festigkeit.
    Vorteile: Maximale Schnitt-, Durchstoß- und Schlagfestigkeit. Beständigkeit gegen hohe Temperaturen und Abnutzung. Langlebigkeit und Einhaltung der Normen EN 1082-1 und EN 14328.
    Nachteile: Steifheit, begrenzte Flexibilität, geringerer Tragekomfort. Relativ hoher Preis.
    Anwendungen: Fleischindustrie, Metzgereien, Gewächshäuser, Metallurgie, Blechverarbeitung.

Weitere Aspekte, für die richtige Handschuh-Wahl:

Beschichtete Handschuhe
Schnitt- und Stichresistenz wird überwiegend durch das Handschuhgewebe definiert. Die darauf aufgebrachte Beschichtung verleiht dem Handschuh weitere Eigenschaften wie Schutz vor wässrigen oder öligen Flüssigkeiten oder auch zusätzlichen „Grip“, also rutschhemmende Eigenschaften.

Auch bei Tätigkeiten in feuchter Umgebung, ist eine wasserabweisende Beschichtung zu empfehlen.

Bei Arbeiten mit Chemikalien, sollten die Handschuhe vollständig beschichtet sein, um vor ätzenden Substanzen zu schützen.

Bei Touchscreen-Bedienung ist es wichtig, dass Handschuhe die Bedienung von entsprechenden Geräten und Bedienfeldern ermöglichen, ohne diese ausziehen zu müssen.

Schutz für Handgelenke:
Bei gröberen Arbeiten sind auch Handgelenke und Unterarme einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Die Handgelenke und ein kleiner Teil der Unterarme sind bei entsprechenden Handschuhen durch fest mit ihnen verbundene Stulpen geschützt. Sollen weitere Bereich der Arme geschützt werden, bieten sich Armschützer an. Sie werden überwiegend als atmungsaktive Strickärmel mit eingearbeiteten schnitthemmenden Fasern hergestellt.

Handschuh-Größe:
Handschuhe müssen passen. Wie bei Schuhen spielt die richtige Größe der Handschuhe eine entscheidende Rolle für den Tragekomfort. Zu klein dürfen sie keinesfalls sein, zu groß sind sie sehr hinderlich bei der Durchführung der Arbeitsaufgabe oder macht sie sogar unmöglich. Üblicherweise bieten die Hersteller Handschuhe in den Größen 6 (XS) bis 11 (XXL) an.

Um die benötigte Größe zu ermitteln, kann man den Handumfang oberhalb des Daumens bzw. unterhalb der Finger mit einem Maßband messen. Der Umfang der Hand in Zoll (1 Zoll = 2,54 cm) ergibt die erforderliche Handschuhgröße. Viele Hersteller bieten aber auch Schablonen an, die ein direktes Ablesen der Größe ermöglichen.

Was bedeutet die Maschenzahl (Strickstärke) der Handschuhe?
Bezeichnungen wie 7G, 13G, 15G, 18G oder 21G beziehen sich auf die Dichte des Gestricks, d. h. auf die Anzahl der Maschen (Maschen pro Zoll), die bei der Herstellung der Handschuhe verwendet werden.

Je höher die G-Zahl, desto dünner und dichter ist das Gestrick. Beispiel: 18G ist ein sehr dünner Handschuh, der perfekt an der Hand anliegt und ein hohes Maß an Präzision bietet.

Je niedriger die G-Zahl, desto dicker und haltbarer ist der Handschuh, aber er kann auch weniger flexibel sein.

Beispiele für die Verwendung:

  • 7G-10G – strapazierfähige Handschuhe, widerstandsfähiger gegen Beschädigungen, häufig im Baugewerbe oder in der Schwerindustrie verwendet.
  • 13G-15G – vielseitiger industrieller Einsatz, gutes Gleichgewicht zwischen Schutz und Komfort. Wird häufig in der Logistik, bei der Metallmontage und bei Lagerarbeiten verwendet, wo Flexibilität und ein mittleres Maß an Schnittfestigkeit erforderlich sind.
  • 18G-21G – 18G-21G – Präzisionshandschuhe, ideal für die Elektronik, die Montage von Kleinteilen, die Qualitätskontrolle, die Arbeit im Labor, die Präzisionsmontage und die Wartung von Geräten, bei denen Fingerspitzengefühl und Taktilität entscheidend sind.

Damit auch dünne Handschuhe einen ausreichenden Schnittschutz bieten, verwenden die Hersteller moderne technische Garne (z. B. HPPE mit Glasfasern), die Strapazierfähigkeit, Komfort und Flexibilität miteinander verbinden.

Hautpflege nicht vergessen

Weil Hände in Handschuhen leicht schwitzen, ist es wichtig, vor und nach der Arbeit geeignete Hautschutz- und Pflegeprodukte zu verwenden, um die Haut gesund zu erhalten.

Bei gepflegten Händen haben Risse und Pilzerkrankungen kaum eine Chance. Und auch die Entwicklung von Allergien wird bei „gepflegten Händen“ erschwert.

Hinweise
Arbeitsbereiche, in denen Schutzhandschuhe benutzt werden müssen, sind mit dem Gebotszeichen „Handschutz benutzen“ zu kennzeichnen.

Wenn die Gefahr besteht, von rotierenden Maschinenteilen erfasst zu werden (z. B. an offenen Bohr-, Fräs- oder Drehmaschinen), ist das Tragen von Schutzhandschuhen verboten.

An Schleifmaschinen können ggf. enganliegende, abrieb- und schnittfeste Handschuhe
getragen werden, da bei einer versehentlichen Berührung des Schleifkörpers die Schutzwirkung der Handschuhe die Gefahr des Einzugs überwiegt. Hier sind firmeninterne Gegebenheiten und Maßnahmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren.

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