Kein Bock auf Holzbock, oder warum Zecken öfter Nerven kosten

Christoph E. Seifert

Der Klimawandel kommt immer mehr in Deutschland an. Nicht nur mit einem, sich langsam ändernden Wetter mit mehr Sonnentagen, sondern auch die Umwelt ist im Wandel. Insbesondere Beschäftigte als Outdoorworker müssen sich hier anpassen. Es wird mehr auf den Sonnenschutz geachtet und die Arbeitszeiten verändern sich, um der Mittagshitze aus dem Weg zu gehen. Aber es ändern sich auch die Pflanzen und Tiere in unseren Breiten. In milden Wintern fallen immer häufiger die Ruhezeiten, für Tiere wie Zecken, aus.

Die bei uns ursprünglich häufigste Zeckenart ist der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Aus östlicher Richtung wandert die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) nach Deutschland ein. Im Osten ist sie häufiger als der Holzbock und deutlich kältetoleranter. Der Holzbock ist ab etwa 5°C aktiv. Ein Überleben von Temperaturen bis zu minus 7 °C ist möglich. Die Reliktzecke (Haemaphysalis concinna) ist recht selten. Tiere werden von anderen Zeckenarten befallen.

Wichtig ist nun sich richtig zu verhalten, denn Zecken können auch Krankheiten übertragen.

Zecken halten sich vor allem im Gras und auf Pflanzen auf. Wie oft angenommen, fallen Zecken nicht von Bäumen, sondern sie klettern über die Beine hoch. Auf der Mitte eines Weges ist es unwahrscheinlich, dass eine Zecke einen findet. Eine richtige Kleidung, Schuhe und Gamaschen, reduzieren die Bisswahrscheinlichkeit. Der zusätzliche Nutzen von „Zeckenschutzmitteln“ (Repellentien) auf Haut und Kleidung ist sinnvoll.

Die Zecken suchen am Körper eine geschützte Stelle. Nach einem Aufenthalt im Freien empfiehlt es sich so, den eigenen Körper abzusuchen: Kopf (Ohren, Haaransatz) und Körper (Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalien, Analbereich oder Kniekehle). Wenn eine Zecke gefunden wurde, müssen zur Minderung des Risikos einer Infektion alle Bestandteile der Zecke zügig entfernt werden. Die Zecke sollte an den Mundwerkzeugen körpernah, am besten mit einer Zeckenzange, gegriffen werden. Eine genauere Anleitung ist auf der Seite des RKI unter „Zeckenübertragende Erkrankungen“ (Link: „Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken“) zu finden. Es ist zu beachten, dass bei zu viel Stress für die Zecke, z.B. bei einer Öl-Bedeckung, das Tier sich in seinem Todeskampf erbricht und mögliche Krankheitserreger noch leichter in die Wunde kommen. Der Kopf muss mit entfernt werden. Im Anschluss sollte die Wunde mit Desinfektionsmittel ohne Alkohol (dieses schmerzt nicht) desinfiziert werden. Für Arbeitnehmer ist es wichtig diese Verletzung im Verbandbuch des Arbeitgebers zu vermerken. Hier zählt auch ein Zeckenbiss auf Dienstreisen in der Freizeit.

Die Wunde des Zeckenbisses muss beobachtet werden. Wenn im Bereich der Wunde im Folgenden Veränderungen anhalten, sich ausbreiten oder neu entwickeln, ist ein Arztbesuch notwendig: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen oder Funktionseinschränkung. Eine Behandlung mit einem Antibiotikum erfolgt meist im Anschluss. Eine Markierung des Rades der Rötung kann sinnvoll sein.

Hiervon abzugrenzen ist die oft als typische Folge eines Zeckenbisses angesehene Wanderröte (Erythema migrans). 7 bis 14 Tage (Median; selten bis zu 28 Tage) nach einem Biss kann es hierzu kommen. Die deutliche, ringförmige Hautrötung ist oft im Zentrum blasser als am Rand. Der rote Ring wandert dann allmählich nach außen. Der auslösende Krankheitserreger ist das Bakterium Borrelia burgdorferi (Borrelien). Die Erkrankung wird Borreliose genannt. Damit keine chronische Borreliose mit Gelenkbeschwerden und Hautveränderungen auftritt, ist eine frühzeitige Behandlung notwendig. Neben einem Befall des Herzens, können auch Auswirkungen auf das Nervensystem, nach Monaten und Jahren, möglich sein. Nicht alle Zecken übertragen Borrelien, manche Studien sprechen von 30%. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion steigt, je länger die Zecke saugt. Die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr schwankt (Meldeinzidenz: 41 Erkrankungen/ 100.000 Einwohnern, 2013).

Eine weitere in Deutschland von Zecken übertragene Erkrankung ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis durch FSME-Viren. Diese Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten kann neben schweren Verläufen auch langanhaltende Folgen haben. Die ersten Beschwerden treten meist 3 Wochen nach einem Zeckenkontakt auf. Dieses Jahr wurden in Süddeutschland und Sachsen im Januar FSME-Erkrankungen bestätigt. Nach Prof. Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors FSME, am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, zeigen die offiziellen Zahlen des Robert Koch Institutes (RKI) von 687 Fällen für das Jahr 2024 nur 10% aller Fälle in Deutschland. Eine hohe Dunkelziffer wird angenommen.

Gegen diese Viruserkrankungen gibt es kein Heilmittel. Jedoch gibt es eine Impfung gegen FSME. Nach 3 Impfungen ist für 3 – 5 Jahre von einem Schutz vor der Erkrankung von 97 % auszugehen. In sogenannten FSME-Risikogebieten hatten im letzten Jahr mindestens 5 Menschen eine nachgewiesene FSME. Seit 2023 gehört hierzu auch das Stadtgebiet Solingen. Da Zecken sich nicht an Grenzen halten, ist im Bergischen Land eine Impfung dringend angeraten. Prof. Dobler mahnt an, dass es in Deutschland kein FSME-freie Region gibt.

Wenn eine Beurteilung der beruflichen Tätigkeiten eine Gefährdung durch Zeckenbisse ergibt, trägt der Arbeitgeber die Kosten der Impfung.

Durch den Klimawandel und damit der Einwanderung von anderen Zeckenarten, ist mit der Übertragung weiter Erkrankungen zu rechnen.

Quellen:

Internetauftritt: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH – Zecken und Zeckenschutz (Link).

Der Spiegel 09/ 2024: „Warum Zecken jetzt auch im Winter schon gefährlich sind“. Dialika Neufeld. Link

ntv Wissen: Die Zecken-Saison hat schon begonnen – Erste FSME-Fälle im Winter. Link

DGUV Information 214-078: Vorsicht Zecken! (April 2020) Pdf-Download

Robert Koch Institut: Internetauftritt (Link) und ZEPAK-Abschlussbericht: Zecken und ihre Pathogene im Klimawandel (Pdf-Download).

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