Rauchen – was tun?

(Text teilweise übernommen von: Der Betriebsarzt informiert; Ecomed Medizin, Ausgabe 09/2024)

Der Konsum von Nikotin, sei es in Form von Zigaretten, Zigarillos, Kau- oder Schnupftabak ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet und anerkannt. Doch die Übergänge vom Genuss zur Sucht sind fließend. Wo hören die Grenzen des Gelegenheitsrauchers auf und wo fangen die des Süchti-gen an?

Jeder kennt den Slogan ”Rauchen gefährdert die Gesundheit”, aber leider nur wenige Menschen erkennen die Gefahren oder wollen diese wahrnehmen. Dies ist jedoch nicht unbedingt eine Frage der Sturheit oder des Einsehens.
Der regelmäßige Konsum von Nikotin führt in eine Abhängigkeit. Rauchen ist eine Sucht, die die Gesundheit und Sicherheit des Betroffenen sowie seine private und berufliche Umwelt bedroht.

Es wird hier jedoch nicht nur der aktive Raucher selbst, sondern auch die sogenannten passiven Raucher, also Menschen, die den Rauch aus der Umgebung einatmen, gefährdet.

Warum ist der Konsum von Nikotin gesundheitsschädlich?

  • Nikotin ist ein giftiger Stoff, der innerhalb weniger Sekunden direkt über das Blut ins Gehirn gelangt und dort zur Ausschüttung einer Reihe von Botenstoffen und Hormonen (z. B. Adrenalin oder Dopamin) führt.
  • Ein erhöhter Blutdruck, erhöhte Herzfrequenz und Kontraktion der Blutgefäße sind nur einige negative Folgen, die zu Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen können.
  • Etwa 140.000 Menschen sterben jedes Jahr vorzeitig an den direkten Folgen des Rauchens, etwa 3.300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens.
  • Ebenso werden Mitarbeiter zunehmend nervös, beginnen zu zittern und zu schwitzen, wenn sie längere Zeit keine Zigarette geraucht haben. Diese Entzugserscheinungen können zu mangelnder Konzentrationsfähigkeit und damit zu ungewollten Arbeitsunfällen führen.

Dieses tägliche, scheinbar so harmlose Laster kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall und natürlich Lungenkrebs führen. Doch nur wenige Raucher schaffen es, trotz des Wunsches aufzuhören, sich vom Nikotin langfristig zu trennen.
Jedes Jahr starten 35 % der Raucher den Versuch, ernsthaft mit dem Rauchen aufzuhören und das so gesparte Geld lieber in den wohlverdienten Urlaub zu investieren. Doch dieser Versuch scheitert bei den meisten bereits nach wenigen Tagen oder Wochen.

Der Grund hierfür sitzt tief in den Köpfen der Raucher, denn hier sitzen Rezeptoren für den Bo-tenstoff Dopamin. Bei Rauchern ist dieser Teil des Gehirns, der als das „Belohnungszentrum“ gilt, in seiner Funktion stark eingeschränkt. Daher benötigt der Raucher regelmäßig seine Zigarette, um sich gut zu fühlen.

Doch welche ist die wirkungsvollste Methode, um das Laster „Zigarette“ ein für alle Mal loszuwerden? Viele versuchen es mit der „Tag x Methode“. Sie bestimmen einen Tag und versuchen, auf diese Weise mit dem Rauchen abrupt aufzuhören und keine Zigarette mehr anzufassen. Die Rückfallquote beträgt 95%.
Weit verbreitete Hilfsmittel zur Überwindung der Sucht sind Nikotinpflaster und Kaugummi. Die Pflaster sorgen für eine kontinuierliche Nikotinkonzentration im Blut und die Kaugummis ersetzen den regelmäßigen Griff zur Zigarette.

Doch besonders Nichtraucher fragen sich: ist das Passivrauchen wirklich so gefährlich? Und wie kann ich mich, besonders an meinem Arbeitsplatz, vor dem gefährlichen Qualm schützen?

Rauchen – Am Arbeitsplatz?

In Deutschland ist Passivrauchen am Arbeitsplatz auf Grund der wissenschaftlichen Datenlage offiziell als krebserzeugend eingestuft.
Passivraucher erleiden die gleichen akuten und chronischen Gesundheitsschäden wie Raucher, wenn auch in geringerem Ausmaß und in geringerer Häufigkeit.
Aus diesem Grund wurde im Rahmen der
Arbeitsstättenverordnung ((ArbStättV)
§ 5 „Nichtraucherschutz“) geregelt, dass der Arbeitgeber Maßnahmen zu treffen hat, um die Nichtraucher wirksam vor den Folgen des Nikotinkonsums ihrer Kollegen zu schützen.

Jeder Mitarbeiter das Recht auf einen Qualm-freien Arbeitsplatz und jeder Raucher die Pflicht, diesen für die kurze Pause zwischendurch zu verlassen, entweder in einen von dem Arbeitgeber dafür vorgesehenen Raucherraum oder an der frischen Luft.

Aber Achtung: Sie als Arbeitnehmer haben kein grundsätzliches Recht darauf, während ihrer Arbeitszeit zu rauchen. Dieses Verbot richtet sich zwar im Allgemeinen nur auf die Betriebsgebäude und / oder Dienstfahrzeuge, doch das Missachten dieser Regeln kann zu einer verhaltensbedingten Kündigung führen.

Neben Arbeitsstättenverordnung und Arbeitsschutzgesetz, verpflichtet auch das Mutterschutzgesetz den Arbeitgeber, die Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen der schwangeren und stillen-den Frau so zu regeln, dass sie vor Gefahren für Leben und Gesundheit ausreichend geschützt ist (§2 Abs.1 und 5). Dies beinhaltet u.a. den Schutz vor Tabakrauch.

Praktische Umsetzung an der Arbeitsstätte

Grundsätzlich geht es nicht um eine Diskriminierung der Raucher, sondern vordringlich um den Schutz der Nichtraucher, vor den gesundheitlichen Belastungen durch Passivrauchen.

Somit sollten klare Regelungen zum Rauchverbot firmenintern erstellt werden (z.B. Betriebsvereinbarung; Dienstanweisung).

Soweit erforderlich, hat der Arbeitgeber ein all-gemeines oder auf einzelne Bereiche der Arbeitsstätte beschränktes Rauchverbot zu erlassen. Für rauchende Beschäftigte sollten Alternativen aufgezeigt werden (z.B. Festlegung von Orten, an denen geraucht werden darf).

Aufhörwilligen Rauchern sollte Hilfe angeboten werden.

Aufklärung über positive Aspekte bei einem Rauchstopp können die Motivation zum Aufhören steigern.

Raucherentwöhnungsangebote

Ansprechpartner für Rauchentwöhnungsangebote können z.B. der Hausarzt, Sozialberatung, Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen oder auch Krankenkassen sein.

In diesem Rahmen können die Betroffenen über verschiedene Hilfsangeboten oder Selbsthilfemethoden informiert und gemeinsam mit ihnen die für den Betroffenen passende Methode ausgewählt werden.

Therapien zur Entwöhnung werden in einer großen Bandbreite angeboten. Dazu gehören Maßnahmen wie Gruppengespräche bis hin zur Hypnose.

Die häufigste medikamentöse Therapie erfolgt durch die gezielte und vor allem dosierte Verabreichung von Nikotinersatzstoffen. Diese können in Form von Nikotin-Pflastern, -Kaugummis, -Lutschtabletten oder -Inhalierern in der Apotheke erworben werden.
Ziel ist es, durch die gezielte, immer geringer werdende Dosierung der Nikotinkonzentration den Körper zu entwöhnen und die Entzugserscheinungen dabei so gering wie möglich zu halten. Nikotin-Kaugummis sind z.B. auch für (kurze) Abstinenzphasen geeignet, wie z.B. Flugstrecken, bei denen nicht geraucht werden darf.

Da es sich hierbei um Arzneimittel handelt, ist die Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker unabdingbar. Zu beachten ist, dass bei einer Verwendung von Nikotinpflastern oder -kaugummis der weitere Nikotinkonsum unbedingt vermieden werden muss, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten und Informationen beispielhaft aufgelistet:

  • Online-Ausstiegsprogramm: Infos und Tipps rund um die Themen Rauchen und Nicht-rauchen mit Forum, Chat, unterstützender täglicher E-Mail und persönlichen rauchfrei-Lotsinnen und Lotsen unter: www.rauchfrei-info.de
  • rauchfrei-Instagram-Kanal: BZgA-Infos und alltagsnahe, praktische Tipps, damit aus guten Vorsätzen ein dauerhafter Rauchstopp wird: www.instagram.com/rauchfrei_info
  • Telefonische Beratung zur Rauchentwöhnung der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung): Kostenlose Rufnummer 0 800 8 31 31 31 – erreichbar montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr
  • Angebote zur Rauchentwöhnung in Ihrer Nähe finden Sie unter: http://www.anbieter-raucherberatung.de/
  • Aktionsbündnis Nichtrauchen: Angebote für Interessierte, mit dem Thema „Rauchfrei Leben“: www.nutzedeinechance.de; unter anderem ein „Rauchfrei Rechner“, mit dem schnell und einfach berechnet werden kann, wie viel Geld gespart wird, wenn man mit dem Rauchen aufhört, als zusätzlicher Motivations-Kick für den Rauchausstieg.
  • Zahlreiche Apps existieren mittlerweile, um das Nichtrauchen zu Unterstützen. Mit der App „Smokerface“ werden z.B. KI-Generiert die Veränderungen des eigenen Gesichtes nach jahrelangem Rauchen „errechnet“ und präsentiert.
  • Rauchfrei im Mai- Hoch die Hände – Kippenende: Sonderprogramm der BZgA und der deutschen Krebshilfe, mit zahlreichen Tipps (bis Ende April) zur Vorbereitung auf den Start in die Rauchfreiheit, täglichen Inspirationen im Mai und zahlreichen Preisen, wenn das Ziel erreicht wird: https://www.rauchfrei-im-mai.de/

Wie Sie mit dem Rauchen aufhören und sich dabei wohl fühlen können

Zehn Schritte zum Nichtrauchen

  1. Legen Sie ein Datum fest – und dabei bleibt es. Die meisten Raucher, die es geschafft haben, haben von einem Tag auf den anderen aufgehört – und nicht Schritt für Schritt.
  2. Beschäftigen Sie sich, dann fällt es leichter, nicht ans Rauchen zu denken! Entsorgen Sie Ihre Rauchutensilien wie Zigarettenschachteln, Feuerzeuge und Aschenbecher.
  3. Trinken Sie möglichst viel! Halten Sie stets ein Glas Tee, Saft oder Wasser bereit und nippen Sie ab und zu daran. Wechseln Sie auch mal die Geschmacksrichtung.
  4. Bewegen Sie sich mehr! Laufen Sie, statt den Bus oder das Auto zu nehmen. Nehmen Sie die Treppen statt des Liftes. Körperliche Aktivität wirkt entspannend und hebt die Stimmung.
  5. Positiv denken! Entzugserscheinungen können unangenehm sein, aber sie sind auch ein Zeichen dafür, dass der Körper sich von den Auswirkungen des Tabakkonsums erholt. Zunächst sind erhöhte Empfindlichkeit, das Verlangen zu rauchen und schlechtere Konzentrationsfähigkeit eher normal. Machen Sie sich nichts daraus, denn diese Begleiterscheinungen verschwinden nach kurzer Zeit.
  6. Verändern Sie Ihren Alltag! Meiden Sie die Orte, an denen Sie bisher Zigaretten besorgt haben. Versuchen Sie auch, zunächst Kneipen zu meiden oder Aufenthaltsräume, in denen viel geraucht wird. Suchen Sie nach neuen Wegen und überraschen Sie sich dabei selbst!
  7. Keine Ausreden! Eine Krise oder auch eine gute Nachricht ist keine Entschuldigung dafür, „nur die eine Zigarette“ zu rauchen. Die eine gibt es nicht, Sie werden noch eine wollen und noch eine…
  8. Verwöhnen Sie sich! Sparen Sie das Geld, das Sie sonst für Zigaretten ausgegeben haben und kaufen Sie sich etwas Besonderes dafür – etwas, das Sie sich sonst nicht leisten würden.
  9. Achten Sie auf Ihre Ernährung – keine stark fetthaltigen Zwischenmahlzeiten! Essen Sie stattdessen viel Obst oder frisches Gemüse wie Karotten, Paprika und Gurken oder wählen Sie zuckerfreien Kaugummi oder zuckerfreie Süßigkeiten.
  10. Nehmen Sie sich einen Tag nach dem anderen vor. Jeder Tag ohne Zigarette tut Ihnen selbst, Ihrer Gesundheit, Ihrer Familie und Ihrer Geldbörse gut!

Das Verlangen besiegen

Auch nach dem ersten rauchfreien Tag werden Phasen mit starkem Rauchverlangen auftreten. Wenn Sie sich dann vorstellen, wie schön es wäre und wie gut es täte, jetzt nur eine Zigarette zu rauchen, ist das ein sicherer Weg, das Leiden zu vergrößern und zu verlängern.

Um nicht von diesen Attacken bezwungen zu werden, können Sie das Prinzip der Aufmerksamkeitsverlagerung anwenden:

  • Nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie gerade Rauchverlangen erleben; damit war zu rechnen. In Anbetracht der Dauer und Intensität Ihrer Raucherkarriere ist dies ein ganz normaler Vorgang.
  • Wenden Sie Ihre Aufmerksamkeit von dem Verlangen nach einer Zigarette ab – es hilft Ihnen nicht weiter, sich auszumalen, wie schön etwas wäre, das Sie nicht mehr machen wollen! Richten Sie Ihre Gedanken auf etwas anderes; z.B. darauf, welche Vorteile es Ihnen bringt, wenn Sie nicht rauchen.
  • Sie stellen fest, dass das Verlangen zu rauchen Sie nur ganz kurze Zeit belästigt hat; die Lustattacke ist dann schwächer geworden, und Sie konnten leicht mit ihr fertig werden.
  • Nachdem Sie Ihre Aufmerksamkeit aktiv auf etwas anderes gelenkt haben, können Sie ein Bewältigungsverhalten Ihrer Wahl ausführen: Wenn Ihnen nach Entspannung zumute ist, wählen Sie die Methode, auf die Sie gerade am meisten Lust haben oder die der Situation angemessen ist. Vielleicht wollen Sie einen Schluck trinken, mit jemanden über das Nichtrauchen reden oder einfach an etwas Schönes denken.

Nicht mehr Rauchen – Wie schaffe ich das?

Die Bewertung der Vor- und Nachteile des Rauchens verändert sich im Laufe der Zeit: Gerade wenn Sie sich mit dem Rauchstopp beschäftigen, gewinnen die Vorteile des Nichtrauchens enorm an Bedeutung.

Die eigene Ausstiegsmotivation kann durch das Erstellen einer ganz persönlichen Motivationsliste geklärt und verstärkt werden. Wenn Sie die positiven Gründe für Ihren Rauchstopp in eigene Worte gefasst haben und sich intensiv mit diesen Vorteilen beschäftigen, verbessern Sie Ihre Erfolgsaussichten.

Formulieren Sie Ihren persönlichen Nutzen, den das Nichtrauchen in den unterschiedlichen Be-reichen Ihres Lebens bringt:

Wenn ich nicht mehr rauche, wird sich Vieles verbessern:

  • meine soziale Situation (z.B. in der Familie und im Freundeskreis),
    weil ich ___________________________________________________________________________________
  • meine finanzielle Situation,
    weil ich ___________________________________________________________________________________
  • meine Wohnung,
    weil ich ___________________________________________________________________________________
  • mein äußeres Erscheinungsbild,
    weil ich ___________________________________________________________________________________
  • mein Selbstvertrauen und meine Selbsteinschätzung,
    weil ich ___________________________________________________________________________________
  • meine körperliche Leistungsfähigkeit,
    weil ich ___________________________________________________________________________________
  • mein Wohlbefinden,
    weil ich ___________________________________________________________________________________

Mai 2025 Weltnichtrauchertag

Der Weltnichtrauchertag findet am 31. Mai 2025 statt. Dieser Tag wird weltweit genutzt, um Bewusstsein und Aufklärung über die gesundheitlichen Schäden des Tabakkonsums zu schaffen.

Den Reiz entlarven: Enthüllung der Taktiken der Hersteller von Tabak- und Nikotinprodukten

Die diesjährige Kampagne zum Weltnichtrauchertag zielt darauf ab, die Strategien der Tabak- und Nikotinindustrie aufzudecken, mit denen sie ihre schädlichen Produkte vor allem jungen Menschen schmackhaft machen will.

Durch die Enthüllung dieser Taktiken will die WHO das Bewusstsein schärfen, sich für strengere politische Maßnahmen einsetzen, namentlich ein Verbot von Aromen, die Tabak- und Nikotinprodukte attraktiver machen, und somit die öffentliche Gesundheit schützen.

https://www.who.int/news/item/11-11-2024-no-tobacco-day-2025–unmasking-the-appeal
https://www.who.int/campaigns/world-no-tobacco-day/2025 Weltnichtrauchertag 2025

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